Featured

Frisch Gelesen Folge 482: Dagobert und die Bitquacks

»Ich brauche eine ›Komplikation‹, richtig?«
»Das nennt sich ›Applikation.‹«


FRISCH GELESEN: Archiv


Dagobert und die Bitquacks

Story: Jul
Zeichnungen: Keramidas

Egmont Comic Collection
Hardcover | 48 Seiten | Farbe | 35,00 €
ISBN 978-3-7704-1134-4

Genre: Funny, Satire

Für alle, die das mögen: Dagobert Duck, Zeitgeist, Die Simpsons



Es gibt Momente im Leben, in denen man sich ganz schön alt fühlt. Der eigene moralische Kompass scheint aus der Mode gekommen zu sein. Alle anderen wirken klüger als man selbst und werden in Rekordzeit mit Methoden reich, von denen man noch nie etwas gehört hat. So ergeht es Onkel Dagobert im jüngsten Disney-Hommage-Band. Darin verliert Dagobert den Titel als »reichste Ente der Welt« an Kersten Duck, der sein Vermögen mit der Kryptowährung Bitquack angehäuft hat.

Dagobert und die Bitquacks ist eine Art besseres, weil lustigeres und deutlich frischer wirkendes Asterix-Album über Bitcoin, Influencer und die geradezu sektenartige Verehrung und Verklärung von Tech-Unternehmern. Zeichnerisch und erzählerisch erinnert der Comic von Autor Jul und Zeichner Keramidas an die Neuauflage der Zeichentrickserie Duck Tales. Mit stolzen 35 Euro für gerade einmal 48 Seiten wird als Zielgruppe offensichtlich ein extrem solventes Publikum angepeilt. Hier wäre eine preiswertere Ausgabe zu einem späteren Zeitpunkt wirklich schön, um den Kreis der Leserschaft erheblich zu erweitern, denn die Geschichte ist ganz toll und absolut empfehlenswert!


Kersten Duck, der auf seiner eigenen Insel lebt, dort seinen Körper stählt, Videospiele spielt und damit Interviewer beeindrucken will, scheint von Sam Bankman-Fried inspiriert zu sein, jenem verurteilten US-Unternehmer, dessen Kryptowährungsbörse FTX 2022 Insolvenz anmeldete. Im vorliegenden Comic ist Kersten Duck die reichste Ente der Welt. Das kann Dagobert nicht auf sich sitzen lassen. Nach kurzer Erklärung von Daniel Düsentrieb, was diese neue Anlageklasse denn nun eigentlich genau ist (reine Glaubenssache und Marketing) kauft Dagobert die erste Tranche. Das wiederum will Kersten nicht akzeptieren, also heuert er einen Verbrechertrupp an, der gerade in der JVA Mar-Al-Dargo einsitzt: die Panzerknacker. Sie haben in der Haft umgeschult und sind nun Cyberkriminelle. Erst sollen sie sich ins Konto ihres Opfers hacken, dann das physische Gold von Dagobert in Bitquacks umwandeln und diese wiederum Kersten überweisen. Es folgt ein turbulentes Rennen um Ruhm, Reichtum, Klicks und sogar um die Anerkennung versnobter Kunstkritiker, denn Dagobert will sein ramponiertes Image mit einem Spielfilm aufpolieren.

Kürzlich erschienen Elon & Jeff on Mars von Marc-Uwe Kling und Bernd Kissel sowie der neue Asterix, in dem es auch, am Rande, ein klein wenig um Tech-Milliardäre wie Elon Musk geht. Beide Comics haben ihre Stärken, aber in Sachen Humor und Treffsicherheit liegt Dagobert eindeutig in Führung. Der Comic wirkt so elegant, leichtfüßig und lustig wie die ersten und besten Folgen der Simpsons oder, um den Goldstandard heranzuziehen, so gelungen wie Dagobert von Carl Barks!

Der Comic ist frisch und frech. In einem Panel spricht der Erzähler direkt mit Dagobert, was aber nicht konsequent durchgezogen wird. Die Wortspiele sind etwas lustiger als bei Asterix; wir erleben hier die Neuerfindung von Donalds Neffen Tick als Tick Tock und amüsieren uns darüber, wie ein Senior Dinge wie Smartphones, soziale Netzwerke und das Duckface sehr, sehr spät adaptiert. Eine wundervolle Zeitkapsel der Jahre 2007 (Einführung des iPhone) bis 2026. Lustig, klug und ganz ehrlich: sogar 35 Euro wert!

[Stefan Svik]

Abbildungen ©2026 Egmont Comic Collection


Kauft den Comic im gut sortierten Comicfachhandel oder im Shop des Verlags: Egmont Shop