»Los geht’s, tausend Teufel!«
FRISCH GELESEN: Archiv
Andy Morgan Band 1 – Deluxe Edition![]()
Story: Greg
Zeichnungen: Hermann
avant-verlag
Hardcover | 128 Seiten | Farbe | 50,00 €
ISBN: 978-3-96445-169-9
Andy Morgan Band 1 – avant Edition![]()
Story: Greg
Zeichnungen: Hermann
avant-verlag
Hardcover | 128 Seiten | s/w | 50,00 €
ISBN: 978-3-96445-170-5
Genre: Abenteuer
Für alle, die das mögen: Jugurtha, Bruno Brazil, Leutnant Blueberry
Ich habe Andy Morgan als Kind gelesen und fand es toll. Die Abenteuer des mutigen Kapitäns der Cormoran, des lustigen Seemanns Barney Jordan und des Schiffsjungen Ali waren immer wieder überraschend, aufregend und total spannend. Doch genau das machte es mir nicht einfach, nach rund 40 Jahren den ersten Band dieser neuen Edition in die Hand zu nehmen. Die zwei enthaltenen Alben »Oase in Flammen« und »Das Gesetz des Taifuns« sowie zwei Kurzgeschichten (auf die ich nicht eingehen werde, weil egal) als Erwachsener mit viel größerem (vor allem emotionalem) Wissen zu betrachten, birgt die große Gefahr, schöne Kindheitserinnerungen zu zerstören. Doch dann war es gar nicht so schlimm.
Sicher, auch diese Abenteuerserie hat die Schwächen fast aller Comics aus der Zeit. Die exotischen Kulturen ferner Länder sind aus billigsten Klischees zusammengenagelt und das Frauenbild ist absurd – in »Oase in Flammen« gibt es keine weibliche Sprechrolle! In »Das Gesetz des Taifuns« ist zumindest eine Frau an der Handlung beteiligt, die aber natürlich ohne Männer an ihrer Seite nicht leben kann. Doch abgesehen von diesem einst völlig normalen Irrsinn sind es zwei gute Geschichten, die nicht zuletzt von der Wahl des Endgegners profitieren: der Natur. Zwar gibt es in beiden Geschichten auch »die Bösen«, aber viel wichtiger ist der Kampf gegen elementare Gewalten.


Die Geschichten sind für die Neuausgabe aber ohnehin zweitrangig, was auf den ersten Blick klar ist: Die Bände sind deutlich größer als klassische Alben, 27 mal 36 Zentimeter, und Hardcover natürlich – Stücke für den Coffee Table, die zum ziellosen Durchblättern einladen. Und dann auch noch in zwei Varianten: einer farbigen und einer in Schwarzweiß. Letztere, erzählte mir jemand vom Verlag mit verständlichem Stolz, gebe es nicht einmal in Frankreich – da werden sich vermutlich sogar einige Superfans jenseits der Grenze freuen. Für alle anderen bleibt jedoch die Frage: Lohnen sich die 50 Euro? Und wenn ja: schwarzweiß oder farbig?
Die erste Frage ist leicht zu beantworten: Ja, es lohnt sich. Eine schönere Ausgabe wird es wohl kaum geben. Gut möglich, dass irgendwer irgendwann eine Edition mit 30 Seiten Skizzen, Werbung oder Covern aus verschiedenen Ländern rausbringt, das Zeug eben, mit dem tausendfach veröffentlichte Serien immer wieder unter die Leute gebracht werden – aber wem es um die eigentliche Comickunst geht, also um das Werk, ist hiermit ultimativ bedient. Doch welche Version du kaufst, hängt sehr davon ab, was du von dem Band willst.


Für Nostalgiker ist die farbige Ausgabe vermutlich die erste Wahl. Schon beim Durchblättern fielen mir einige Seiten auf, die mich als Kind begeistert haben, und beim Lesen ist es dann leicht, in der Geschichte zu versinken. Das Zusammenspiel von Farbe und Papier kommt auch deutlich besser rüber als die aktuelle Carlsen-Ausgabe. Während auf Carlsens Glanzpapier der blaue Himmel über der Wüste kalt und monochrom wirkt, hat er hier eine erstaunliche Lebendigkeit und Wärme. Und das ist kein Einzelfall. Einen Nachteil hat die bunte Version jedoch: Sie sieht aus wie ein Kindercomic. Die Kolorierung ist extrem schlicht, fast banal – von der leicht luziden Farbigkeit, die Hermann in Jeremiah entwickelte, ist er hier noch weit entfernt.
Schwarzweiß dagegen ist für alle, die sich für Comickunst interessieren. Hermann ist ein fantastischer Zeichner: Seine Panels sind detailliert, ohne überladen zu sein, er findet immer wieder interessante Perspektiven, und seine Actionszenen sind unglaublich dynamisch. Die Farben dimmen den entschlossen Strich immer wieder runter, doch in Schwarzweiß bleibt alles von höchster Intensität. Allerdings hat auch die schwarzweiße Ausgabe einen Nachteil.


In beiden bildet der Endkampf zwischen den Menschen und den Elementen den Höhepunkt, und an dieser Stelle läuft Hermann zu Bestform auf. Der Sandsturm in der Wüste, der die Nomaden wie auch unsere Helden nahezu wegschmirgelt, genau wie der Taifun, der mit ungeheurer Wucht über die tropische Insel fegt, sind dank der verwirbelten Zeichnungen fast spürbar. Tatsächlich sind die Bilder so intensiv, dass auch das bunte Original an diesen Stellen in Zweifarbigkeit fällt, was ein super Effekt ist: Die Naturgewalt löscht die Farbe aus. Darauf müssen die Schwarzweiß-Leser leider verzichten.
Ich bin trotzdem Team Schwarzweiß. So richtig interessant sind beide Geschichten beim besten Willen nicht – die Zielgruppe sind eindeutig Kinder. Zeichnerisch dagegen bietet Andy Morgan durchgehend ein hohes Niveau, das ohne Farbe sehr viel stärker und präsenter ist. Also danke, avant, für diese Ausgabe!


[Peter Lau]
Abbildungen © 2026 avant-verlag / Greg, Hermann
Den Comic gibt's im gut sortierten Comicfachhandel oder direkt beim Verlag: avant-verlag
