»Es muss wirklich schön sein, in einer Stadt zu arbeiten, die einen liebt.«
FRISCH GELESEN: Archiv
Story: Mark Waid u.v.m.
Zeichnungen: Jorge Jiménez u.v.m.
Panini Comics
Heft | 64 Seiten | Farbe | 7,99 €
Story: Brad Meltzer u.v.m.
Zeichnungen: Pepe Larraz u.v.m.
Panini Comics
Heft | 64 Seiten | Farbe | 7,99 €
Genre: Superhelden, Action
Für alle, die das mögen: Superman, Spider-Man, Crossover
1976 trafen Welten aufeinander, genauer gesagt Weltstars: Superman und Spider-Man, die wohl bekanntesten und damals vielleicht auch beliebtesten Superhelden der Verlage DC und Marvel. Panini hat diesen Comic im Sommer 2026 in einer Luxusausgabe neu aufgelegt, im Format der Originalcomicseiten, und allein durch dieses Großformat ist das Leseerlebnis ein ganz besonders schönes! Die Geschichte braucht etwas Zeit, um in Schwung zu kommen, doch dann hat sich eine Spannung aufgebaut, die bis zum Ende anhält. Vor jedem Umblättern ist da diese Vorfreude: Welche prachtvolle Szene werden wir als Nächstes miterleben? Es fühlt sich wieder so an wie beim allerersten Lesen eines Spidey- oder Superman-Comics als Kind: das pure Staunen, das Miteintauchen in die Häuserschluchten von New York City oder Metropolis. Wer noch ein Geschenk für Freunde von Superheldencomics sucht: Der Hardcoverband Superman gegen Spider-Man ist eine gute Wahl. Und er ist eine gute Vorbereitung auf das neueste Aufeinandertreffen der zwei kostümierten Helden.
Ende 2025 hatten Deadpool und Batman bereits den Weg gebahnt für ein Revival der Crossover von DC und Marvel. Und ebenso wie deren zwei Hefte bieten auch die Comics von Superman und Spider-Man je zwei voneinander unabhängige Kurzgeschichten plus noch kürzere Storys mit Aufeinandertreffen weiterer Duos aus beiden Verlagen. Zeichnerisch sind sämtliche Geschichten überdurchschnittlich schön, detailliert und dynamisch umgesetzt. Hier gibt es keine grotesk hässlichen Ausreißer wie Frank Millers Story bei Deadpool/Batman. Stattdessen sind die Hefte deutlich näher am Massengeschmack ausgerichtet und erfreulicherweise auch erzählerisch ernsthafter und freundlicher; wie es die beiden Figuren eben vorgeben.
Unterdessen bleiben die Bonusstorys von Sups und Spidey erschreckend blass und belanglos. Das Date von Power Girl mit dem Punisher ist noch am ehesten als Highlight zu bezeichnen. Aber sonst? Die Story »Jimmy con Carnage« ist schon recht zynisch. »World's Finest« zeigt Lois Lane und Mary Jane als starke Frauen, die keines männlichen Retters bedürfen, was sehr ansprechend ist. Aber so kennen wir die Figuren ja ohnehin, es fehlt an Neuigkeitswert. Den hatte das vorangegangene Deadpool/Batman-Crossover zumindest. Denn während das darin vertretene Ballspiel von Krypto gegen den Super-Hai zwar inhaltlich simpel war, blieben doch die fröhliche Stimmung und die Kraft der Zeichnungen in guter Erinnerung.
Doch nun zum eigentlichen Kern: zu den beiden Hauptstorys. Mark Waid und Jorge Jiménez starten mit einer Verbrüderung von Doc Ock und Brainiac. Beide Figuren kennen sich offenbar bestens. Weiter geht es mit Clark Kent und Peter Parker, die wie selbstverständlich als Journalisten in Metropolis unterwegs sind. Geht es nur dem Rezensenten so? Die Frage, die sich hier laut ins Gehirn drängt, ist doch: Wie kann es Metropolis und New York in derselben Welt geben? Hier wäre eine Karte der USA sehr spannend gewesen. Vermutlich wären beide Orte an exakt derselben Stelle. Im Übrigen auf dem gleichen Gebiet wie Gotham City. Und dieser Knoten im Hirn kann einem etwas die Freude an und das Mitfiebern mit der Story eintrüben. Egal! Es ist ja bloß harmlose Unterhaltung und ein weiteres, beliebig wirkendes Event. Das Zusammenspiel der beiden Schurken macht die Bösen böser, und die Kooperation der beiden Helden bringt Errungenschaft wie ein vom Mann aus Stahl gehärtetes Spidey-Netz. Nun gut. Es gibt pittoreske Szenen wie eine Splashpage, in der sich Spider-Man schwingend und Superman fliegend durch das Hochhäusermeer bewegen. Spidey wirkt richtig imposant, als er schwere Lasten emporstemmt. Das sieht alles schön aus. Aber bereits beim Lesen ist die Geschichte schon wieder vergessen.
Comic Nummer 2 von Brad Meltzer und Pepe Larraz wirft uns direkt in eine Szene, in der Superman und Spider-Man besiegt zu sein scheinen. Umgeben von Dunkelheit liegen sie am Boden, begraben unter einem eingestürzten Gebäude. Das ist ein starker Start! Leider verharrt die Story sehr lange im Dunkeln, buchstäblich. Und das bei den beiden Figuren, die so sehr für das Helle, Freundliche und Lebensbejahende stehen. Somit werden Freunde epischer Kämpfe, vom im Weltall schwebenden Superman und opulenten Szenen in der Großstadt eher enttäuscht sein. Dafür gibt es einen gefühlvollen, von wohltuendem Humor bereicherten Epilog, der das Publikum mit einem guten Gefühl zurücklässt.
Im Grunde haben sowohl der erste Auftritt von 1976 und das neueste Aufeinandertreffen der beiden Aushängeschilder der Superheldenverlage eine klare Botschaft: Trotz ihrer verschiedenen Fähigkeiten sind sich Clark Kent und Peter Parker ausgesprochen ähnlich. Beide Männer arbeiten als Journalisten in einer Großstadt, sind privat ziemlich schüchtern, haben einen geradezu vorbildlichen Sinn für Gerechtigkeit und Aufopferung. Beide haben starke, selbständige und selbstsichere Frauen an ihrer Seite. Beide sind die Posterboys ihres jeweiligen Verlags. Okay. Das wussten wir alles bereits hinlänglich. Statt Lust auf weitere Comics von Superman und Spider-Man zu wecken, erreicht das Crossover aus dem Jahr 2026 zumindest beim Rezensenten das genaue Gegenteil: Gibt es denn nichts Neues, Frisches, Überraschendes und Verblüffendes? Damit meine ich keinen düsteren, destruktiven und pubertären Zynismus wie in The Boys. Bitte nicht! Sondern positive Helden, die so hungrig und inspirierend wirken wie der von Sylvester Stallone gespielte Boxer Rocky im Auftakt zur gleichnamigen Filmreihe und nicht so gesättigt und dekadent wie am Anfang von Rocky III. Wenn es solche spannenderen Comics gibt, dann: Schnapp Sie Dir, Tiger!
[Stefan Svik]
Abbildungen © 2026 DC Comics, Marvel Comics / Panini
Kauft den Comic im gut sortierten Comicfachhandel oder beim Verlag: Panini Comics
