»Hast deine eigenen Regeln und qualmst heimlich zwischen den Panels?«
FRISCH GELESEN: Archiv
Story: Zeb Wells u.v.m.
Zeichnungen: Greg Capullo u.v.m.
Panini Comics
Heft | 64 Seiten | Farbe | 6,99 €
Story: Grant Morrison u.v.m.
Zeichnungen: Dan Mora u.v.m.
Panini Comics
Heft | 64 Seiten | Farbe | 6,99 €
Genre: Superhelden, Action, Humor, Parodie
Für alle, die das mögen: Deadpool, Suicide Squad, Thunderbolts, Joker, Crossover
1976 trafen Welten aufeinander, genauer gesagt Weltstars: Superman und Spider-Man – die wohl bekanntesten und damals vielleicht auch beliebtesten Helden der Verlage DC und Marvel. In den folgenden Jahrzehnten wurden naheliegende, aber auch abstruse Crossover fast schon inflationär eingesetzt. Erst 2025 wurde die Justice League gemeinsam mit den Looney Tunes um Bugs Bunny erneut auf die Leserschaft losgelassen. Im Vergleich dazu fällt das Aufeinandertreffen von Batman und Deadpool in zwei Heften, die in sich abgeschlossene Geschichten enthalten, geradezu bodenständig aus. Als Bonus gibt es ultrakurze Kurzgeschichten von beispielsweise Captain America und Wonder Woman, Hellblazer und Swamp Thing sowie Harley Quinn und dem Hulk.
Apropos: Interessant wäre doch eine Begegnung des DC-Gegenstücks von Deadpool mit diesem, also ein Zusammenprall von Deadpool mit Harley Quinn in einem Witze-Duell. Wer von beiden ist lustiger? So wie schließlich auch in Superman gegen Spider-Man zwei sehr ähnliche Figuren aufeinandertrafen, die beide vereint, besonders positive, lebensbejahende und gutmütige Idealisten zu sein, deren Abenteuer oft sehr aufmunternd, hell und fröhlich sind. Aber bekanntlich ziehen sich Gegensätze an und aus Reibung entsteht eine besondere Spannung. Wobei es ja sehr unterschiedliche Interpretation von Batman gibt. Würde in den Comics dieses Events etwa der Bruce Wayne aus der TV-Serie der 1960er auftreten, der Unterschied zum völlig überdrehten Wade Wilson würde sehr gering ausfallen. Sowohl das Marvel- als auch das DC-Heft zeigen uns jedoch den grüblerischen, ernsthaften, erwachsenen Meisterdetektiv Batman, der hier so wirkt wie ein Vater, der sich um seinen aufgekratzten Teenagersohn kümmern muss.
Die Geschichte von Zeb Wells und Greg Capullo in Deadpool/Batman lässt die beiden Figuren gemeinsam gegen den Joker antreten, um Gotham zu retten. Die Handlung ist gradlinig, die Gagdichte ist etwas mau. Am lustigsten wird es, wenn der Joker zunehmend entnervt wird im Wettstreit mit Deadpool, wer denn nun irrer ist und mehr Unfug verzapft. Eine Story, die Lust auf mehr macht.
In Batman/Deadpool von Grant Morrison und Dan Mora wird es epischer und wir werden auf die Metaebene entführt. Die beiden Verlagswelten werden von den kosmischen Göttern Eternity (Marvel) und Ahti/Kismet (DC) verkörpert, die sich ineinander verlieben, und als gemeinsame Schöpfung schenken sie uns diese Geschichte, in der Deadpool und Batman sich in einer Art Holodeck gegeneinander messen. Umklammert wird das Abenteuer von einem düsteren Fall in Gotham, in dem Batman gerne helfen und die Leserschaft in eine fröhliche Weihnachtszeit entlassen möchte. Was durchaus passend ist, erschien Heft 2 in Deutschland doch am 23. Dezember 2025 und – meine Güte, welch eine Freude! – es lag sogar im kleinen Supermarkt des Rezensenten, was im Grunde seit den 1990ern nicht mehr vorkommt: ein Superheldencomic im Supermarktregal, in das es sonst nur Asterix, das Lustige Taschenbuch und die Lego-Comics schaffen. Eine echte Chance, neue Leserinnen und Leser für Superheldencomics zu begeistern.
Aber hält der von Panini geschürte Hype um das »Comic-Ereignis des Jahres« den Erwartungen stand? Es kommt darauf an. Gut gemeinter Tipp: am besten die Story Old Man Logan und Batman: The Dark Knight Returns von Frank Miller sofort weiterblättern. Selten gab es so lieblos gezeichnete Bilder zu sehen und gezeigt wird eh nur ein belangloser Kampf der beiden Figuren, womit Miller eindeutig den miserabelsten Beitrag beigesteuert hat. Nett, und zwar im Wortsinn, also im positiven, ist das niedliche Geplänkel von Jeff & Krypto, das Kelly Thompson geschrieben und Gurihiru fröhlich-bunt gezeichnet hat. Gezeigt wird ein dynamisches Volleyballspiel der beiden Figuren. Würdevoll und der Bedeutung der Ikonen angemessen ist das Aufeinandertreffen von Captain America und Wonder Woman von Chip Zdarsky und Terry Dodson; zwei Kämpfer vereint gegen den Faschismus des Zweiten Weltkriegs. Auch Dr. Strange und John Constantine, von James Tynion IV, Joshua Williamson und Scott Snyder erzählt und von Hayden Sherman opulent visualisiert, wirkt hochwertig, den Figuren angemessen und unterhält bestens.
Die klaren Glanzlichter sind aber eindeutig die Hauptstorys, wobei Zeb Wells und Greg Capullo zu Recht den ersten Auftritt gestalten durfte, bleibt ihre Geschichte doch mehr in Erinnerung. Grant Morrisons Beitrag hingegen zerfasert zu sehr und wirkt so, als hätte er weitere 100 Seiten gebraucht, um alles aufs Papier zu bringen, was er gerne erzählen wollte. Besonders lustig ist seine Geschichte ebenfalls nicht, bedient sich eher eines sehr trockenen, spöttischen Witzes und ist eine Verbeugung vor dem großartigen, ernsthaften und unermüdlich für das Gute kämpfenden Batman.
Zweimal knapp 7 Euro, zusammen keine 14 Euro – dafür gibt's gerade mal eine durchschnittliche Kinokarte. Klare Empfehlung für Comic- und insbesondere für Superhelden-Begeisterte: Zugreifen, es lohnt sich!
[Stefan Svik]
Abbildungen © 2025 Marvel Comics / DC Comics / Panini
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