»Was hab ich dir über Verarschung gesagt?«
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Babs Band 1: »Aus edlem Stoff gemacht«
Story: Garth Ennis
Zeichnungen: Jacen Burrows
Dantes Verlag
Softcover | 168 Seiten | Farbe | 22,00 €
ISBN: 978-3-68902-030-9
Genre: Satire, Fantasy
Für alle, die das mögen: Crossed, Satiren, Herr der Ringe, moderne Fantasygeschichten
Wer bei dem Namen Garth Ennis an blutigen Zynismus, derbe Sprüche und eine gehörige Portion Respektlosigkeit denkt, liegt natürlich auch bei seinem neuesten Streich goldrichtig. Mit Babs Band 1: »Aus edlem Stoff gemacht«, erschienen im Dantes Verlag, knöpft sich der Kultautor, tatkräftig unterstützt von seinem bewährten Zeichner Jacen Burrows, das High-Fantasy-Genre vor. Ennis und Burrows haben schon bei der Splatter-Metzel-Satire Crossed (Panini) zusammengearbeitet. Das Ergebnis ihrer jüngsten Kollaboration ist eine herrlich politisch inkorrekte Abrechnung mit Kettenhemd-Bikinis, strahlenden Rittern und den absurden Abgründen der modernen Popkultur.

Im Mittelpunkt steht die barbarische Söldnerin Babs, die eigentlich nur zwei Dinge im Leben anstrebt: genug Gold für einen bequemen Rüstungs-Bikini, der endlich mal nicht scheuert, und ein kühles Bier in der nächsten Taverne. Doch das Schicksal meint es nicht gut mit ihr. Zusammen mit ihrem sprechenden und extrem nutzlosen Schwert Barry sowie einem Pferd, das definitiv das klügste Mitglied dieses Trios ist, stolpert sie von einer Katastrophe in die nächste. Auf ihrem unfreiwilligen Roadtrip legt sie sich dabei mit frustrierten Goblins, scheinheiligen Rittern und moralisch äußerst flexiblen Elben an.

Ennis beweist einmal mehr seine Stärke für scharfe, zeitgemäße Satire. Besonders die Parodie auf moderne Online-Trolle in Form von frustrierten Goblins, die sich lauthals darüber beschweren, dass Frauen das klassische Kriegerhandwerk ruinieren, ist brillant, verdammt lustig und extrem treffsicher. Auch die Chemie innerhalb des ungleichen Heldentrios stimmt von der ersten Seite an. Babs ist eine erfrischend pragmatische Antiheldin, die man trotz ihrer rabiaten Art schnell ins Herz schließt, und die Dialog-Duelle mit dem dauernörgelnden Schwert Barry gehören zu den absoluten Highlights des Bandes. Zeichnerisch wird das Ganze von Jacen Burrows gewohnt sauber und detailreich in Szene gesetzt, wodurch sowohl der Slapstick-Humor als auch die unvermeidbaren, blutigen Gewaltexzesse hervorragend zur Geltung kommen.

Allerdings läuft die bewährte Ennis-Formel im Laufe der Geschichte auch ab und zu im Leerlauf. Wer bereits vertraut mit dem Werk des Autors ist, wird das Gefühl eines leichten Déjà-vus nicht los. Der Humor verlässt sich streckenweise etwas zu sehr auf Fäkalwitze und drastische Schockmomente, was an manchen Stellen eher bemüht provokant statt wirklich originell wirkt. Zudem bleiben viele der Nebenfiguren, wie die scheinheiligen Ritter, trotz aller Anspielungen auf die aktuelle politische Lage, recht flach und schablonenhaft. Sie dienen primär als bloße Punchlines für Ennis' Witze, anstatt der Handlung echte Fallhöhe oder Tiefe zu verleihen.

Zusammenfassend erfindet der erste Band das Rad der Fantasy-Parodie zwar nicht neu, bietet aber gelungene Unterhaltung für zwischendurch. Es ist ein kurzweiliger, herrlich alberner Trip durch ein völlig kaputtes Reich. Wer mit Ennis' speziellem Humor etwas anfangen kann und Lust auf eine clevere Abrechnung mit altbekannten Klischees hat, wird mit diesem Comic eine Menge Spaß haben, auch wenn für den Nachfolger noch etwas Luft nach oben bleibt.
[Bernd Hinrichs]
Abbildungen © 2026 Dantes Verlag / Garth Ennis, Jacen Burrows
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