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Frisch Gelesen Folge 476: Hauck und Bauer Taschenbuch

»Wir haben die erste KI mit echtem Bewusstsein entwickelt. Sie hat sich leider sofort umgebracht.«


FRISCH GELESEN: Archiv


Das Hauck und Bauer Taschenbuch: Dafür haben sie Geld

Story: Dominik Bauer
Zeichnungen: Elias Hauck

Kunstmann
Softcover | 256 Seiten | s/w | 14,00 €
ISBN 978-3-95614-676-3

Genre: Humor, Funny, Cartoons

Für alle, die das mögen: Don Martin, Martin Perscheid, Loriot



Bei einer ihrer sehr unterhaltsamen Lesungen widmeten die beiden gebürtigen Bayern Dominik Bauer und Elias Hauck, beide Jahrgang 1978, einen Beitrag ihrem Buch mit schwachen bis schlechten Goethe-Gedichten, die Hauck durch seine Zeichnungen und Bauer durch seine Texte umso lustiger gemacht haben. Dieses Büchlein hat das Duo dann im Goethe-Haus in Frankfurt unter die echten Werke des Dichters gemischt. Nun haben die beiden Schlingel Walt Disneys Lustiges Taschenbuch (LTB) aufs Korn genommen. Logo, Format, Seitenzahl, Inhaltsverzeichnis – alles ist nahezu exakt so wie beim LTB, das haben sie charmant eingefädelt! Sogar ein wichtiger Grund für den Verkaufserfolg von Disneys Dauerbrenner, der sehr taschengeldfreundliche Preis des LTB um die 12 Euro, konnte fast erreicht werden, allerdings verzichten Hauck und Bauer komplett auf farbige Seiten. Ein weiterer ganz wesentlicher Unterschied: Es gibt keine Kurzgeschichten wie bei Ehapa, sondern der Wahl-Berliner Hauck und der Wahl-Frankfurter Bauer bieten eine Mischung aus Cartoons und Comicstrips von bis zu vier Panels.

Die Beiträge sind teils thematisch geordnet, z.B. zu Themen wie Religion oder zum Umgang mit Sprache. Manche Ideen sind zeitlos wie ein Cartoon über die erschreckende Weltlage, wenn ein Mann am Kiosk mit der Aufschrift »Presse, Alkohol, Zigaretten« vorbeikommt und denkt: »Es ist wirklich nur noch in dieser Kombination zu ertragen«. Anderes ist ein Abbild des (möglicherweise bereits vorbeigezogenen) Zeitgeists wie ein Cartoon zum Gendern, bei dem ein Talkshow-Gast gönnerhaft sagt: »Wenn ich von Feministen spreche, sind Frauen selbstverständlich mitgemeint«. Es gibt aber auch Albernes ohne tieferen Sinn, über das einfach nur geschmunzelt werden kann wie die Szene, als Superman vom Augenarzt eine Bindehautentzündung attestiert bekommt und von ihm gefragt wird, ob er häufiger Zugluft ausgesetzt sei.

Die Qualität von Hauck und Bauer lässt sich nicht nur an ihren Auszeichnungen wie dem Sondermann-Preis für Komische Kunst 2020 und dem Deutschen Karikaturenpreis in Gold 2024, sondern noch an etwas ganz anderem messen: Die Gags sind auch beim wiederholten Lesen und Betrachten immer wieder so lustig, klug und verblüffend, dass das Publikum, in diesem Fall der Rezensent, sehr viel, sehr lange und sehr laut lachen musste.

Das Buch enthält eine ausgewogene Mischung aus bekannten und unbekannten Werken. Es ist immer wieder erstaunlich, wie minimalistisch das Duo zum maximalen Erfolg kommt: ganz wenige, aber eben präzise Striche; nur so viele Wörter, wie es braucht. Das ist ganz großes Humor-Handwerk, ach was, das ist meisterliche Kunst! Und im Gegensatz zu manch anderen Cartoonisten ist der Ausschuss praktisch nicht nennenswert. Wo andere zehn Gags raushauen, von denen drei müde Wortspiele sind, drei eher halb-lustig und der Rest solide ist, hat beim Rezensenten in diesem Buch lediglich ein Witz nicht funktioniert. Er blieb mir bislang verschlossen: »Als alte Männer noch mit D-Zügen verwechselt wurden« steht oben drüber, unten drunter gezeigt wird ein Mann, der einem älteren Herren an die Kehle fasst. Das erinnert etwas an einen der skurrilen Comics von Katz & Goldt, aber was genau will das Bild uns sagen? Vermutlich wirkt der Bahn-Witz erst mit Verspätung, und das wäre dann ja fast schon wieder eine Meta-Ebene.

Der Rezensent jedenfalls bleibt auch nach dieser neuen Veröffentlichung ein Riesenfan von Hauck und Bauer. Tun Sie es ihm nach, liebe Leserinnen und Leser, und greifen Sie zu diesem Buch, es ist ganz große Kunst und wirklich sehr lustig!

[Stefan Svik]

Abbildungen © 2026 Verlag Antje Kunstmann GmbH / Hauck & Bauer


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