»Ohne Tarzan hätte es keinen Prinz Eisenherz gegeben.« (Dian Hanson)
FRISCH GELESEN: Archiv
Hal Foster’s Tarzan: The Complete Sunday Comics: »1931–1937«
Story: Hal Foster
Zeichnungen: Hal Foster
TASCHEN Verlag
HC | 392 Seiten | Farbe | XXL-Format: 34,4 x 44 cm | 200,00 €
ISBN: 978-3-7544-0264-1
Genre: Abenteuer, Dschungel
Für Leser, die das mögen: Tarzan, Edgar Rice Burroughs, US-Zeitungsstrips, Pulps, Dschungelabenteuer, Kaffeetischbücher
Der Name Hal Foster ist untrennbar mit seiner größten Kreation Prinz Eisenherz verbunden. Was anno 2026 fast schon in Vergessenheit geraten ist, ist die Tatsache, dass Foster vor seiner auf der ganzen Welt bekannten Ritterserie, deren detaillierte Zeichnungen ihn ins Pantheon der bedeutendsten Comickünstler aller Zeiten katapultiert haben, die Zeitungscomics des Dschungelhelden Tarzan erschuf.
Tarzan war über sehr lange Zeit eine ganz große Nummer. Erschaffen von Edgar Rice Burroughs für die Pulp-Magazine der 1910er-Jahre, debütierte der Dschungelheld bereits 1912 in dem Roman Tarzan of the Apes, der in voller Länge im All-Story Magazine erstveröffentlicht wurde. Es folgten mehr als zwanzig weitere Romane und vor allem auch Verfilmungen. Der erste Stummfilm entstand in den USA schon im Jahr 1918. Bekannt sind auch in Deutschland die Filme mit Johnny Weissmüller, Lex Barker, Gordon Scott, Christopher Lambert sowie auch die TV-Serie mit Ron Ely. Und natürlich gab es auch jede Menge Comics. Und schon sind wir beim eigentlichen Thema.
Tarzan war in den Comics von den 1930er-Jahren bis zur Jahrestausendwende quasi dauerpräsent. Alle Comics an dieser Stelle aufzulisten, ist müßig, aber am Anfang stand eben jener unbekannte Kanadier Harold Rudolf Foster, der damals 36 Jahre alt war. Es wird kolportiert, dass Burroughs J. Allen St. John engagieren wollte, den Illustrator von neun Tarzan-Buchcovern und -innenseiten, doch St. John war ein gefragter, erfolgreicher und – vor allem – hochbezahlter Illustrator. Die zuständige Agentur brauchte einen fügsameren, weniger kostspieligen Künstler, einen wie Foster.
So illustrierte Foster 1928 für das britische Wochenmagazin Tit-Bits eine Adaption des ersten Romans. Hierbei handelt es sich um simple Schwarzweißstreifen mit jeweils gleichgroßen quadratischen Panels. Der Text steht unter jedem Bild. Die 60 Strips eröffnen den Reigen von Taschens Hal Foster’s Tarzan: The Complete Sunday Comics: »1931–1937« quasi als Bonus. In den USA wurden diese Strips erst 1929 publiziert.
Im Jahr 1931 kehrte Foster zu Tarzan zurück und startete die Sonntagsseiten mit der Folge »Terror from the Skies!«, die am 27. September 1931 veröffentlicht wurde. Foster sollte die Serie bis 1937 gestalten, bis Burne Hogarth sie übernahm. Im gleichen Jahr startete Prinz Eisenherz. Diese Serie schrieb und zeichnete Foster bis 1971. Danach verfasste er bis 1979 nur noch die Geschichten, welche John Cullen Murphy grafisch umsetzte. Eine langanhaltende Narkose während einer Hüftoperation im November 1979 raubte ihm sein Gedächtnis, und er erinnerte sich nicht mehr daran, jemals Tarzan oder Prinz Eisenherz gezeichnet zu haben.
Zwischen Fosters Tarzan-Debüt in den 1920er-Jahren und seiner Rückkehr 1931 liegen 28 Seiten, die Rex Mason gezeichnet hat und welche man in ERBZine No. 819 begutachten kann. Dort ist auch die erste Seite von Hal Foster zu sehen und man kann an dem Scan sehr schön die Farbunterschiede vergleichen, die zwischen dem Buch des Taschen Verlags und dem Scan der gedruckten Zeitungsseite bestehen.
Alle 292 ganzseitigen Tarzan-Sonntagsseiten von Foster sind in diesem farbenprächtigen Band versammelt. Wie vom Taschen Verlag gewohnt, bietet diese Kollektion Reproduktionen der Originalsonntagsseiten in bestmöglicher Qualität. Fosters grandiose Zeichenkunst ist zwar hier noch nicht so ausgereift wie bei Prinz Eisenherz, aber für alle Fans von Zeitungscomics, ist es eine Freude, das Gesamtwerk in dieser imposanten und ausgezeichneten Form präsentiert zu bekommen.
Die eigentlichen Comics werden ergänzt durch eine gelungene und informative Einführung von Dian Hanson, die auf Englisch, Deutsch und Französisch abgedruckt ist. Dian Hanson begann ihre Karriere im Verlagswesen als Redakteurin amerikanischer Pornomagazine, Historikerin und gelegentliches Model; sie war Mitbegründerin des Hardcore-Magazins Puritan in den 1970er-Jahren und arbeitete anschließend unter anderem für OUI, Adult Cinema Review und Big Butt. Am bekanntesten wurde sie als Redakteurin der Fetischmagazine Juggs und Leg Show. Bei Taschen erwies sie sich in den vergangenen Jahren als Expertin für Pulp-Kunst mit Büchern wie Masterpieces of Fantasy Art, The History of Men’s Magazines oder The Fantastic Worlds of Frank Frazetta.
Die Comics selbst sind im Original, sprich in Englisch, gehalten. Wer der Sprache halbwegs mächtig ist, sollte hier keinerlei Probleme haben. Es lohnt sich in jedem Fall, in diese längst vergangene Welt des Dschungelhelden Tarzan abzutauchen.
Ach so. Immer, wenn der Taschen Verlag ein neues seiner fast schon (positiv) gigantomanischen Comicbücher auf den Markt bringt, ist vom Gewicht die Rede. Sein neuster Coup bringt »nur« 5,19 Kilogramm auf die Wage. Das ist zwar etwas weniger als die voluminösen Bände der Marvel Comics Library, wo z.B. die erste Amazing-Spider-Man-Ausgabe mit ihren mehr als 700 Seiten satte 5,65 Kilogramm wiegt.
Es liegt aber daran, dass das Buch Hal Foster’s Tarzan: The Complete Sunday Comics nur 392 Seiten dick ist. Allerdings präsentiert es sich dafür vom Format noch größer. Die gesteigerte Dimensionierung war erforderlich durch das Zeitungsformat der Vorlagen. Somit kommen die ohnehin schon prächtigen Seiten betörend zur Geltung.
Ich möchte für diesen Band eine klare Empfehlung aussprechen. Für Tarzan-Fans, für Freunde von Pulp- und Abenteuergeschichten. Für alle, die sich mit klassischen Zeitungscomics beschäftigen. In einer vollendeteren Form gibt es diese Comics nicht.
[Matthias Hofmann]
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