Featured

Frisch Gesehen Folge 10: Supergirl

»Sieht nicht so aus, als würde das hier gut ausgehen ... also für euch!«


Supergirl

Drehbuch: Ana Nogueira
Regie: Craig Gillespie

Warner Bros.
USA, 2026 | 108 Minuten | Farbe | FSK: 12
Kinostart: 25.06.2026

Genre: Superheldenfilm, Action, Science Fiction

Für alle, die das mögen: Wonder Woman (2017), Guardians of the Galaxy (2014)



Per Anhalter durch die Galaxis

Supergirl legt als witziges Weltall-Roadmovie eine Punktlandung hin


Der im vergangenen Sommer erfolgte Neustart des DC Universe (DCU) geht in die nächste Runde. Auf den Blockbuster Superman folgt Supergirl, der sich erst noch als Blockbuster erweisen muss. Das Zeug dazu hat der Film unter der Regie von Craig Gillespie, der ein buntes Spektakel in bester James-Gunn-Manier anrührt und lustvoll auf die große Leinwand schleudert. Doch die ersten Zahlen sprechen gegen einen Erfolg an den Kinokassen. Die Kritiken sind durchwachsen, das Einspielergebnis ist bescheiden. Wenn die Hauptdarstellerin Milly Alcock an diesem langen Wochenende, an dem in den USA mit dem 4. Juli der Nationalfeiertag ansteht und gleichzeitig der 250. Geburtstag der Nation begangen wird, als Supergirl nicht die Kurve kriegt, dürfte es schwer werden, das Budget von geschätzten 170 Millionen US-Dollar wieder einzuspielen. Wie schon in den Comics steht Kara Zor-El somit auch im Kino weiterhin im Schatten ihres älteren Cousins Kal-El. Dabei ist Supergirl – als Figur wie als Film – besser als ihr Ruf!

Bei Superman saß James Gunn noch selbst auf dem Regiestuhl und rief die von ihm verantwortete Version des Vaters aller Superhelden kurzerhand zum Punkrocker aus. Was ziemlicher Quatsch war, denn dafür war die von David Corenswet gespielte Hauptfigur – egal ob als Superman oder als dessen Alter Ego Clark Kent – viel zu bieder und brav. Was letzten Endes auch der Historie der Figur geschuldet ist. Das Schattendasein, das Supermans Cousine so lange fristete, gerät ihr indessen zum Vorteil. Historisch unbelastet, sind praktisch keinerlei Erwartungen an Supergirl geknüpft. Was die Drehbuchautorin Ana Nogueira dazu nutzt, eben jene Punkrockerin aus ihr zu machen, die Superman gern gewesen wäre, aber nicht sein durfte:

Gleich der Beginn zeigt, wo es langgeht, wenn Supergirls Hund Krypto auf eine Zeitungsschlagzeile mit Superman pisst. Diese rotzfreche Attitüde hat freilich auch mit der Vorlage zu tun. Das Grundgerüst der Handlung ist der Miniserie Supergirl: Die Frau von Morgen (Original: Supergirl: Woman of Tomorrow, 2021/2022) entnommen, die Tom King gewohnt originell geschrieben und Bilquis Evely sensationell gezeichnet hat. Wie in der Vorlage ist Kara Zor-El auch zum Auftakt des Films auf einen Planeten mit einer roten Sonne gereist, um zur Feier ihres Geburtstags den Alkohol in vollen Zügen genießen zu können. Doch die unbeschwerte Party wird von einem jugendlichen Störenfried gecrasht. Ruthye Marye Knoll (Eve Ridley), die mitansehen musste, wie der ruchlose Brigantenführer Krem von den gelben Hügeln (Matthias Schoenaerts) ihre gesamte Familie abgeschlachtet hat, fährt Kara wiederholt in die Parade. Und Ruthye sinnt auf Rache, was das harm- und schutzlos wirkende Mädchen schnell in die Bredouille bringt:

All der Ärger, der sich vor ihren Augen abspielt, ficht Kara allerdings nicht an. Ihr blaut-rot-gelbes Kostüm hat sie eingemottet und vom Edelmut ihres Cousins Kal-El könnte sie kaum weiter entfernt sein. Der Film präsentiert sie als Superheldin in der Sinnkrise, als Ikone auf dem Egotrip. Und die Australierin Milly Alcock, die mit dem Serien-Geheimtipp Upright ihren Durchbruch feierte und im Game-of-Thrones-Ableger House of the Dragon internationale Bekanntheit erlangte, hat sichtlich Spaß daran, all die Fehler, Makel und Schwächen ihrer Figur vor der Kamera auszukosten. Erst als Karas Hund Krypto von Krem lebensgefährlich verwundet wird und der von Matthias Schoenaerts überzeugend gespielte Fiesling obendrein noch Karas Raumschhiff stiehlt, ist ihr Interesse geweckt. Und eine Verfolgungsjagd inklusive Rachefeldzug quer durch die Galaxie nimmt ihren Lauf, während der sich eine Komplikation an die nächste reiht:

Dass Craig Gillespie einen eigensinnigen Humor hat, hat er in Filmen wie Lars und die Frauen (2007), I, Tonya (2017) und dem unterschätzten Dumb Money (2023) bewiesen. In seiner ersten Comicverfilmung kommt dieser Humor voll zur Geltung. Wie viel Einfluss James Gunn als Verantwortlicher für die Neuausrichtung des DCU auf Gillespies Film hatte, ist nicht bekannt. Dass das Setdesign, die Ausstattung und die Kostüme aber an Gunns eigenen Stil erinnern – allen voran den Stil der noch bei der Marvel-Konkurrenz entstandenden Guardians-of-the-Galaxy-Trilogie –, ist jedoch nicht von der Hand zu weisen. Und selbst wenn Giellspies Supergirl in puncto Komik, Einfallsreichtum und Figurentiefe nicht an die Guardians heranreicht, ist der Film doch nah dran.

010 supergirl bild 09

Supergirl ist charmant, ironisch und wartet mit musikalisch toll unterlegten, aberwitzigen Actionszenen auf, in denen sich der im Bild oben gezeigte Lobo schon einmal für seinen eigenen Solofilm warmlaufen darf. Jason Momoa, der im Filmuniversum von DC bislang Aquaman verkörperte und sich mit dieser Rolle eher schwertat, blüht als Lobo sichtlich auf. Sein Spiel mag an der Grenze zur Persiflage entlangschrammen, passt aber zur Figur und macht im Kinosaal mächtig Freude. In ihrem gemeinsamen Kampf gegen Krem, an dem neben Ruthye irgendwann auch Lobo beteiligt ist, bekommt schließlich auch Kara Zor-El alias Supergirl noch rechtzeitig die Kurve:

Es bleibt zu hoffen, dass das auch dem Film an den Kinokassen gelingt. Denn er hat alles, was einen guten Blockbuster ausmacht. Wer kurzweiliges Popcorn-Kino liebt, das Spaß macht, ohne das Hirn bei den hohen Temperaturen zu sehr zu strapazieren, wird von Supergirl in diesem Sommer prächtig unterhalten.

[Falk Straub]


Fotos © 2026 Warner Bros. Entertainment. All Rights Reserved. TM & © DC / Courtesy of DC Studios and Warner Bros. Pictures