Ausstellung: Holocaust im Comic

Abt: Bildergeschichten, die bilden

Holocaust im Comic - eine Ausstellung

Es gibt Geschichtscomics und es gibt Geschichtscomics. Kann man mit Hilfe von Comics echte Historie vermitteln? Sind Comics überhaupt dazu geeignet, in Schulen zu Lernzwecken eingesetzt zu werden? Die deutsche Comic-Forschung sagt zwei Mal »Ja«.

Comic-Experte Ralf Palandt, der zuletzt mit einer Sonderausstellung über den Zeichner Helmut Nickel von sich reden machte, sieht das so: »Comics müssen immer im Hinblick auf die Altersgruppen gesehen werden, für die sie gemacht wurden bzw. geeignet sind. Erst dann kann man überprüfen, ob sie den gewünschten Ansprüchen gerecht werden oder nicht. Seit einigen Jahren wird von Didaktikern und Pädagogen in zunehmendem Maße die Verwendung von Comics im Schulunterricht angeregt.« Und er weist daraus hin, dass tatsächlich jüngere Studien zeigen, dass der Einsatz von Comics einen gewissen Gewinn für den Unterricht bedeuten kann. Als Beispiele nennt der René Mounajed (Geschichte in Sequenzen – Über den Einsatz von Geschichtscomics im Geschichtsunterricht. Peter Lang Verlag, 2009) und Christine Gundermann (Jenseits von Asterix – Comics im Geschichtsunterricht. Wochenschau Verlag, 2007), die Beobachtung machten, »dass - je nach Art der Comic-Verwendung im Geschichtsunterricht - Motivation, Geschichtsbewusstsein und kreative Fähigkeiten der Schüler gefördert werden können.«

Menschen, die Comics eher als Schund abqualifizieren oder als reine Kinderlektüre einstufen, erklärt Palandt stets: »Comics als graphische Literatur erzählen nicht einfach nur Geschichten, die vor dem inneren Auge wie ein Film ablaufen. Dank der Informationen in Bild und Text sehen, hören, fühlen, schmecken und riechen wir bei der Lektüre im Geiste mit den Protagonisten. Diese Vermittlung geschieht durch Bilder unmittelbarer als bei abstrakten Texten. So werden indirekt viele Sinne auf einmal angesprochen (Synästhesie). Das macht einen besonderen Reiz der Comics aus.«

Palandts aktuelle Comic-Ausstellung dreht sich um das schwere Thema des Völkermords der Juden durch die Nationalsozialisten im 3. Reich. Zur Zeit zeigt das BayernForum der Friedrich-Ebert-Stiftung in München noch bis zum 19. August 2011 die kritische Themenausstellung »Holocaust im Comic«, die Ralf Palandt mit freundlicher Unterstützung des Vereins ComicStadt München auf die Beine gestellt hat.

Graphic Novels, Sach- und Geschichtscomics sind zunehmend Gegenstand der Feuilletons und akademischer Veranstaltungen, besonders wenn sie die Zeit und Ereignisse des Dritten Reichs und Zweiten Weltkriegs sowie des Holocausts thematisieren. Bis heute ist strittig, ob Comics ein Medium sind, das sich dazu eignet das Thema Holocaust ernsthaft zu beleuchten. Dem Comic wird von vielen Seiten unterstellt, ein »lustiger« Zeitvertreib für Kinder und Jugendliche zu sein, der aber nicht zur Auseinandersetzung mit derart erschreckenden Themen eingesetzt werden dürfte. Hier fände eine nahezu automatische Verharmlosung allein schon durch das gewählte Medium statt. Doch eine steigende Zahl von Comics beschäftigt sich - mehr oder minder gelungen - mit der NS-Zeit.

Die Ausstellung setzt sich anhand von Beispielen differenziert mit Holocaust-Abbildungen in Comics auseinander (Kriterien qualitativer Bewertung, antisemitische Beispiele, Schwarzer Humor, Exploitation, etc.) und regt zum Nachdenken und zur reflektierenden Lektüre an. Die Ausstellung ist täglich geöffnet von 8 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung. Schulklassen sind besonders gerne gesehen.

Weitere Informationen gibt es hier: BayernForum

Abbildungen:
Ausstellungsplakat © Gabriel Nemeth
Foto © Ralf Palandt
Maus © Art Spiegelmann / Fischer Taschenbuch Verlag


Ausstellungs- und Kontaktadresse:
BayernForum der Friedrich-Ebert-Stiftung
Prielmayerstr. 3, 4.OG, Elisenhof
80335 München
Tel.: 089- 51 555 240, Fax: 089/51 555 244
eMail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.,