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Comics des Jahres: Unsere Favoriten 2023

Welche Comics waren die besten des Jahres 2023? Wie jedes Jahr haben wir auch im gerade zu Ende gegangenen nach den drei Lieblingscomics unserer Autorinnen und Autoren gefragt. Das Ergebnis ist nicht völlig deckungsgleich mit unseren Top 20 in der aktuellen ALFONZ-Ausgabe. An dieser Stelle gibt es nachzulesen, wie ein Zeichner in seiner Jugend ein Gotteshaus bewachte und eine Zeichnerin sich beim Fracking verdingte, was zwei Agenten nach Berlin verschlägt und welcher deutsche Comic sich auf internationalem Niveau bewegt. Es gibt Urlaube (mal strapaziös, mal tödlich), Wäschereien (mal mit Gespenst, mal mit großem Los), tief dringende Innenansichten, jede Menge japanischen Sport und eine Schmach von Córdoba, die weder etwas mit Argentinien noch mit Fußball zu tun hat.

Die Comics des Jahres 2023
der ALFONZ-Redaktion und -Mitarbeiter

Unsere Top 20 ist ausführlich in ALFONZ 1/2024 zu finden. Einen kurzen Überblick bietet die Tabelle unten. Doch nicht jeder Titel, der bei unseren Autorinnen und Autoren einen Podestplatz belegt hat, hat es in die Top 20 geschafft. Zeit also, unsere »ALFONZos« zu Wort kommen zu lassen. Welche Comics, Manga und Gesamtausgaben zählen zu ihren ganz persönlichen Top 3 des Jahres 2023? Und warum? Wer weiß, vielleicht ist ja noch die eine oder andere Entdeckung aus dem vergangenen Jahr dabei. (Und bitte nicht wundern, dass der eine oder andere Spitzentitel vom Jahresende 2023 fehlt. Denn unser ALFONZ-Bewertungszeitraum erstreckt sich von November 2022 bis Oktober 2023.)

Ein Klick auf die Verlage führt direkt auf deren Homepage, ein Klick auf das Cover zum entsprechenden Titel und ein Klick auf das Foto unserer »ALFONZos« zu deren Online- oder Social-Media-Auftritten (sofern vorhanden).


 


Veit Christoph Baecker

Platz 1:
Die Synagoge

Text: Joann Sfar
Zeichnungen: Joann Sfar
avant-verlag | HC | Farbe | 208 Seiten | 30,00 €

Joann Sfar, in der Corona-Pandemie noch einmal dem Tod von der Schippe gesprungen, widmet sich im neuesten Werk Die Synagoge seiner eigenen Lebensgeschichte. Die ist für den 1971 in Nizza geborenen Schöpfer so wunderbarer Werke wie Die Katze des Rabbiners oder Donjon untrennbar verbunden mit der Synagoge seiner Heimatstadt. Als Sohn eines ebenso streitbaren wie erfolgreichen Strafrechtsanwalts – seine Mutter ist früh verstorben – wächst Joann Sfar in der jüdischen Gemeinde auf. Um nicht die Gottesdienste besuchen zu müssen, wird er als junger Mann Mitglied in der Wachmannschaft des Gotteshauses. Dort, aber  auch in Schule und Familie erlebt er die wachsenden gesellschaftlichen Widersprüche. Nicht nur in Frankreich werden ab den 1980er-Jahren rechte und rassistische Parolen salonfähig und der Antisemitismus allgegenwärtig. Joann Sfar zeichnet und erzählt auch diese Geschichte pointiert, mit Humor und durchweg fesselnd. Das ist großartig und rückt ein wichtiges Thema ins Bewusstsein.


Platz 2:
Deep Me

Text: Marc-Antoine Mathieu
Zeichnungen: Marc-Antoine Mathieu
Reprodukt | HC | s/w | 120 Seiten | 24,00 €

Das neueste Werk von Marc-Antoine Mathieu. Noch Fragen? Mal wieder überraschend, die Grenzen des Comics testend, den Leser fordernd und damit beste Unterhaltung auf höchstem Niveau. Der französische Großmeister aus Angers beschäftigt sich in Deep Me mit dem Denken, dem Kontakt von Innen und Außen und dem eigenen Ich. Wie immer in Schwarzweiß, wobei diesmal das Schwarz nicht nur auf dem Cover dominiert.
In Frankreich erscheint in diesen Tagen Deep It. »Wenn es schneit, ist dieser Band schwer zu finden«, schreibt der Autor auf Facebook. Denn dieser Band ist ganz in Weiß gehalten. Die Hoffnung, dass Deep It auf Deutsch erscheinen wird, ist berechtigt. Wann der Reprodukt Verlag sein Versprechen im Rahmen der Crowdfunding-Aktion im Jahr 2022 einlöst, den neusten Band um Julius Corentin Acquefacques zu veröffentlichen, steht leider noch in den Sternen.


Platz 3:
Das Buchmaultier von Córdoba

Text: Wilfrid Lupano
Zeichnungen: Léonard Chemineau
Splitter | HC | Farbe | 264 Seiten | 39,80 €

Auch hier steht ein Großer der Neunten Kunst für Qualität. Texter Lupano, Vater so starker Serien wie Die Alten Knacker oder Wikinger im Nebel, lenkt unseren Blick diesmal in das Spanien des 10. Jahrhunderts. Als al-Hakam II., liberaler Herrscher von Córdoba, verstirbt, nutzt sein Wesir die Chance zu einer Kulturrevolution. Bevor jedoch die 400.000 Bücher der berühmten Bibliothek verbrannt werden, versucht Eunuch Tarid so viele wie möglich zu retten und mithilfe eines Maultiers in Sicherheit zu bringen. Eine aberwitzige Geschichte um Freiheit, Kultur, Wissen, Menschlichkeit und auch vertane Chancen – gezeichnet von Léonard Chemineau.


Alexander Braun

Platz 1:
Letztes Wochenende im Januar

Text: Bastien Vivès
Zeichnungen: Bastien Vivès
Schreiber & Leser | HC | s/w | 184 Seiten | 22,80 €

Ein Comiczeichner und eine fremde Frau in ihren späteren mittleren Jahren. Dazu das Comicfestival in Angoulême als Kulisse. Nach den inquisitorischen Turbulenzen um Vivès ebendort zu Beginn des Jahres 2023 antwortet der Autor und Zeichner mit einer gleichermaßen souveränen wie emphatischen Liebesgeschichte: berührend und dramaturgisch auf den Punkt. Besser geht’s nicht.


Platz 2:
Die Synagoge

Text: Joann Sfar
Zeichnungen: Joann Sfar
avant-verlag | HC | Farbe | 208 Seiten | 30,00 €

Ein unfassbar prall und unterhaltsam gestopftes Füllhorn von sehr differenzierten Anekdoten aus Sfars Jugend in Nizza. So viel mehr als bloße Reflexion über ein Coming of Age im Schatten nordafrikanisch/jüdischer Wurzeln: ein mehr als schräger alleinerziehender Vater, extrem langweiliges Judentum, Kampfsport, ein netter Neonazi und am Ende auch noch Corona. Fett!


Platz 3:
Stockhausen

Text: Thomas von Steinaecker
Zeichnungen: David von Bassewitz
Carlsen | HC | Farbe | 392 Seiten | 44,00 €

Ein unterhaltsam lesbares Biopic über den deutschen Meister unhörbarer Musik. Äußerst erhellend: gleichermaßen intellektuell wie emotional und dazu in überragender Optik. Deutschland kann es eben doch. Internationales Top-Niveau.


Christian Endres

 

Platz 1:
Snapdragon

Text: Kat Leyh
Zeichnungen: Kat Leyh
Reprodukt | HC | Farbe | 240 Seiten | 20,00 €

Wundervoller Comicroman der Amerikanerin Kat Leyh um Freundschaft, Hexerei und Familie. Da begeistert einfach alles: Das frische Artwork, die tollen Figuren und ihre Dialoge oder der unaufgeregte, sichere Umgang mit Themen wie Gender und Identity.


Platz 2:
Das große Los

Text: Joris Mertens
Zeichnungen: Joris Mertens
Splitter | HC | Farbe | 144 Seiten | 35,00 €

Für mich die Comic- und Noir-Überraschung des Jahres. Mit seinem kleinen, hyper-atmosphärischen Krimi über den Ausfahrer einer Wäscherei legt der Belgier Joris Mertens ein unerwartetes Highlight vor. Perfekt inszeniert, superb visualisiert.


Platz 3:
Die Rache der Bücher

Text: Tom Gauld
Zeichnungen: Tom Gauld
Edition Moderne | HC | Farbe | 160 Seiten | 22,00 €

Die grandios reduzierten und pointierten Strips des Schotten Tom Gauld sind immer ein Vergnügen. Diese Sammlung seiner smarten Comic-Gags richtet sich allerdings explizit an Büchermenschen und macht daher sogar noch etwas mehr Spaß.


Bernhard Erdmann

Platz 1:
Das Buchmaultier von Córdoba

Text: Wilfrid Lupano
Zeichnungen: Léonard Chemineau
Splitter | HC | Farbe | 264 Seiten | 39,80 €

 

Platz 2:
Wikinger im Nebel

Text: Wilfrid Lupano
Zeichnungen: Ohazar
Carlsen | SC | Farbe | 64 Seiten | 12,00 €

 

Platz 3:
Asterix Band 40: »Die weiße Iris«

Text: Fabcaro
Zeichnungen: Didier Conrad
Egmont | HC/SC | Farbe | 48 Seiten | 13,50 €/7,99 €




Volker Hamann

Platz 1:
Blake und Mortimer Band 26: »Acht Stunden in Berlin«

Text: José-Louis Bocquet, Jean-Luc Fromental
Zeichnungen: Antoine Aubin
Carlsen | SC | Farbe | 64 Seiten | 12,00 €

Eine Comicserie als Marke zu handhaben, birgt gewisse Risiken, von denen Fortsetzungen aus rein wirtschaftlichen Gründen nur eines sind. Bei der 1946 von Edgar P. Jacobs begründeten Serie Blake und Mortimer ist das bisweilen nicht so. Gleich nach Jacobs' Tod im Jahr 1987 nicht, als Jean Van Hamme mit »Die Affäre Francis Blake« ein packendes Abenteuer vor dem Hintergrund des Kalten Krieges schrieb, das von Ted Benoit zeichnerisch ebenso kongenial wie inspiriert umgesetzt worden war. Und auch André Juillard setzte nach Szenarios von Yves Sente einige neue Abenteuer zeichnerisch um, die den Vergleich mit Jacobs Alben nicht zu scheuen brauchen.
Mit diesem im Frühjahr 1963 im geteilten Berlin spielenden Agententhriller auch Antoine Aubin nicht, der nach »Die Septimus-Welle« in seiner neuen Episode um Professor Philip Mortimer und Captain Francis Blake zu zeichnerischer Perfektion gefunden hat. Die Geschichte schrieben José-Louis Bocquet und Jean-Luc Fromental, zwei alte Hasen im Szenaristengeschäft, die in »Acht Stunden in Berlin« zahlreiche Verweise auf Werke aus Literatur Kino unterbringen – von Hergés Tim-und-Struppi-Album »Der Fall Bienlein« bis hin zum britischen Film Finale in Berlin, der auf Len Deightons gleichnamigem Spionageroman basiert –, wie Christian Blees in seinem ausführlichen Artikel (siehe ALFONZ 2/2023) ausführt.


Platz 2:
Die neuen Russen Band 1: »Nach dem Fall«

Text: Pierre-Henry Gomont
Zeichnungen: Pierre-Henry Gomont
Schreiber & Leser | HC | Farbe | 64 Seiten | 12,00 €

Mit seiner im französischen Original inzwischen auf zwei Bände angewachsenen Serie über die Abwicklung des Sozialismus in den ehemaligen Gebieten der Sowjetunion nach dem Mauerfall und Perestroika hat der Franzose Pierre-Henri Gomont eine sowohl irrwitzige wie grandios gezeichnete Satire auf eines der jüngeren weltpolitischen Ereignisse geliefert. Nach der Öffnung der Märkte und inmitten politischer Verwirrungen sind die ehemaligen Sowjetrepubliken zum Schauplatz zukünftiger Oligarchen und verschiedener Ganoven geworden, und auch die zwei Glücksritter Slava Segalow und Dimitri Lawrin, ihres Zeichens Kunststudent bzw. Überlebenskünstler, geben sich nicht mit Krümeln vom scheinbar großen Kuchen zufrieden. Ihr frotzelndes und doch immer auf den maximalen Gewinn ausgerichtetes Verhältnis wird auf die Probe gestellt, als sie in einer ehemaligen Bergbaustadt auf die engagierte Nina treffen.


Platz 3:
Das große Los

Text: Joris Mertens
Zeichnungen: Joris Mertens
Splitter | HC | Farbe | 144 Seiten | 35,00 €

François lebt nicht das Leben, von dem er träumt. Allein in einer Stadt, in der es ständig regnet, und seit Jahren als Fahrer in einer Wäscherei tätig, ohne auch nur die geringste Lohnerhöhung zu erhalten, könnte sein Dasein nicht trostloser sein. Auch dass er seit 17 Jahren jede Woche dieselben Lottozahlen spielt, bringt nicht die erhoffte Besserung. Das ändert sich eines Tages, als er bei einer Wäschelieferung in eine große Villa den Schauplatz eines Verbrechens vorfindet, mit einem Dutzend Leichen und einem Sack voller Banknoten. François glaubt, endlich auch einmal Glück zu haben und beschließt, den Sack zu nehmen – und den damit verbundenen Ärger gleich mit.
Der Belgier Joris Mertens zeichnet erst seit 2019 Comics und wird schon jetzt als große Hoffnung für den frankobelgischen Comic gehandelt. Er wurde 1968 geboren und arbeitet als Illustrator und Storyboarder beim Film, beschäftigt sich aber auch mit traditioneller Malerei und Fotografie. Die berufliche Erfahrung macht sich in seinen scheinbar hingeworfenen, doch voller expressionistischer Lebendigkeit steckenden Zeichnungen bemerkbar, die eine souveräne Beherrschung von Licht und Farben auszeichnet.


Platz 4:
Rostige Herzen Band 1: »Debry, Cyrano und ich«

Text: Béka
Zeichnungen: Jose Luis Munuera
Carlsen| HC | Farbe | 72 Seiten | 18,00 €

Für die junge Iséa ist ein Video der Verfilmung von Edmond Rostands Roman Cyrano de Bergerac eine willkommene Flucht in einer retrofuturistischen Welt, in der die Menschen mit Robotern zusammenleben. Als ihr geliebtes Roboterkindermädchen Debry eines Tages von ihrer gefühlskalten Mutter gefeuert wird, bricht das fragile seelische Gleichgewicht der Jugendlichen zusammen. Sie beschließt, um jeden Preis die einzige Person zu finden, von der sie so etwas wie Zuneigung erfahren hat, auch wenn es ein Roboter ist ...
Zeichner Jose Luis Munuera und das Szenaristenpaar Béka (Caroline Roque und Bertrand Escaich) legen mit Rostige Herzen ein sensibles und intelligentes Märchen mit einer erstaunlichen Botschaft über die komplexe Beziehung zwischen Mutter und Tochter vor. Schon mit dem Spirou-Spin-off Zyklotrop hat Munuera bewiesen, dass er zeichnerisch alle Register beherrscht. Nun folgt mit der auf drei Bände angelegten Serie Rostige Herzen eine märchenhafte Parabel auf Künstliche Intelligenz.


Thorsten Hanisch

Platz 1:
The Many Deaths of Laila Starr

Text: Ram V
Zeichnungen: Filipe Andrade
Cross Cult | HC | Farbe | 128 Seiten | 25,00 €

Der Avatar des Todes verliert seinen Job und muss auf die Erde, hat aber keine Lust, sein Dasein im Körper einer gewöhnlichen Sterblichen zu verbringen – er fädelt ein, dass er genau zu dem Zeitpunkt auf die Erde kommt, als derjenige geboren wird, dem die Menschheit eines Tages die Unsterblichkeit zu verdanken haben wird. Doch alles kommt anders als gedacht. Klingt nach anstrengender Grübel-Nummer, ist aber eine wunderbar leichtfüßige, zwischen Melancholie und Humor pendelnde Reflexion auf den Tod mit herrlich schrägen Ideen.


Platz 2:
Ich bleibe

Text: Lewis Trondheim
Zeichnungen: Hubert Chevillard
avant-verlag | HC | Farbe | 128 Seiten | 24,00 €

Der in erster Linie für seine sehr humorvollen, parodistischen Comics bekannte Lewis Trondheim lässt hier seinen Humor zwar nicht gänzlich missen, schlägt in dieser Geschichte über eine Frau, deren Mann urplötzlich von einem herumfliegenden Metallplatte geköpft wird, aber vor allem leise, nachdenkliche Töne an und erzählt von Trauerbewältigung sowie von einem Neuanfang.


Platz 3:
Torpedo Gesamtausgabe Band 1

Text: Enrique Sánchez Abulí
Zeichnungen: Jordi Bernet
All Verlag | HC | s/w | 248 Seiten | 39,80 € (VZA: 59,80 €)

Böse, böse Gesamtausgabe: Torpedo spielt in Amerika zur Zeit der Großen Depression und schildert in deutlich vom Film noir beeinflussten Kurzgeschichten die Erlebnisse des Italieners Luca Torelli, genannt »Torpedo«, der als Jugendlicher ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten kam und sich nicht vom Tellerwäscher zum Millionär, sondern vom Schuhputzer zum eiskalten, Frauen prügelnden und vergewaltigenden Auftragsmörder hocharbeitete. Flankiert wird er dabei von seinem einfältigen Mitarbeiter Rascal. Das ist völlig drüber, ultrabrutal und sexistisch wie nur was, zeigt aber vor allem auf, was für Trottel Männer doch sind.


Matthias Hofmann

Platz 1:
Roaming – Fünf Tage in New York

Text: Mariko Tamaki
Zeichnungen: Jillian Tamaki
Reprodukt | SC | Zweifarbig | 448 Seiten | 29,00 €

 

Platz 2:
Das Buchmaultier von Córdoba

Text: Wilfrid Lupano
Zeichnungen: Léonard Chemineau
Splitter | HC | Farbe | 264 Seiten | 39,80 €

 

Platz 3:
Die Rache der Bücher

Text: Tom Gauld
Zeichnungen: Tom Gauld
Edition Moderne | HC | Farbe | 160 Seiten | 22,00 €

 

 


Alex Jakubowski

Platz 1:
Deep Me

Text: Marc-Antoine Mathieu
Zeichnungen: Marc-Antoine Mathieu
Reprodukt | HC | s/w | 120 Seiten | 24,00 €

Kein neuer Comic ohne Überraschung. Marc-Antoine Mathieu erklärt das Experiment zum Prinzip. So hat er bei früheren Werken schon mal Löcher in seine Seiten gestanzt, Cover und Innenseiten vertauscht oder komplett auf Text verzichtet. Bei Deep Me hingegen spielen die Zeichnungen eine eher untergeordnete Rolle. Der Leser liegt quasi im Wachkoma – wie die Hauptfigur. Sprechblasen kommunizieren zwar miteinander. Figuren tauchen aber eher schemenhaft auf. Selten nur sehen wir richtige Bilder. Wenn, dann geben sie eher Chaos wieder denn Ordnung. Es geht um das Zusammenspiel von Wahrnehmung und Isolation. Wir tauchen tief ein – ins Unterbewusste. Das gelingt perfekt, denn durch das Arrangement geraten wir auf eine Meta-Ebene, werden quasi zum Beobachter des Beobachters. Ein Höhepunkt ist erreicht, als die tiefschwarze Doppelseite zu einer hellweißen und Hauptfigur Adam (sicherlich kein Zufall, der Name) vom Dämmerzustand ins Hier und Jetzt wechselt. Der neue Marc-Antoine Mathieu: wie immer ein grandioses Leseerlebnis. Noch mehr gibt's: hier.

Platz 2:
Das große Los

Text: Joris Mertens
Zeichnungen: Joris Mertens
Splitter | HC | Farbe | 144 Seiten | 35,00 €

Ein großer Wurf, dieser Comic. Die Stimmung der Bilder, das Spiel mit Farben, Licht und Schatten. Und dann noch ein klassischer Krimi, mit stimmigem Plot. Was will man mehr? Mehr gibt es: hier.


Platz 3:
Stockhausen

Text: Thomas von Steinaecker
Zeichnungen: David von Bassewitz
Carlsen | HC | Farbe | 392 Seiten | 44,00 €

Ein Pionier der elektronischen Musik, in einem Comic, der geschrieben wird von einem, der genau diesem Pionier phasenweise »auf dem Schoss gesessen« hat. Unglaublich interessant und grandios in Szene gesetzt. Mehr gibt es: hier.


Marcus Kirzynowski

Platz 1:
Das Buchmaultier von Córdoba

Text: Wilfrid Lupano
Zeichnungen: Léonard Chemineau
Splitter | HC | Farbe | 264 Seiten | 39,80 €

Ein humoristisches Roadmovie, eine ebenso unterhaltsame wie erschreckende Geschichtsstunde und eine Liebeserklärung an die Kraft des Wissens. Dieses wunderbare Buch vereint die Vorteile einer Graphic Novel (epischer Atem, historisches Thema mit leider höchst aktuellem politischen Bezug) mit modernem frankobelgischen Zeichenstil. In der Titelrolle ein herrlich lustiges Tier, das Hunderte von Büchern vor der Verbrennung retten muss – und doch eigentlich nur seine Ruhe haben will.


Platz 2:
1629 oder Die erschreckende Geschichte der Schiffbrüchigen der Jakarta Band 1

Text: Xavier Dorison
Zeichnungen: Thimothée Montaigne
Splitter | HC | Farbe | 136 Seiten | 35,00 € (VZA: 59,00 €)

Anhand der wahren Ereignisse rund um das niederländische Segelschiff Batavia erzählt Dorison eine Parabel über menschliche Gier und die grausame Seite des Kapitalismus. Montaigne fängt die furchtbaren hygienischen Zustände an Bord des Ostindien-Seglers ebenso eindrucksvoll ein wie das Meer und die Natur. Im Mittelpunkt steht eine starke Frauenfigur, die dem Wahnsinn um sie herum zu trotzen versucht.


Platz 3:
Sangoma – Die Verdammten von Kapstadt

Text: Caryl Férey
Zeichnungen: Corentin Rouge
Splitter | HC | Farbe | 152 Seiten | 35,00 €

Eine weitere Geschichtsstunde über das Südafrika nach Ende der Apartheid. Die Ungleichheit zwischen Schwarzen und Weißen besteht fort, während alte Wunden noch lange nicht verheilt sind. Vor diesem Hintergrund erzählt Férey eine spannende Thrillerhandlung um entführte Babys und grausame Rituale, von Rouge in fast klassischem Stil umgesetzt. Virtuose Actionszenen über mehrere Seiten wechseln sich ab mit Parlamentsdebatten und Intrigen. Und die Figuren sind moralisch wesentlich ambivalenter als schwarz oder weiß.


Peter Lau

Platz 1:
Sunday

Text: Olivier Schrauwen
Zeichnungen: Olivier Schrauwen
Colorama | 8 Hefte | Farbe | 468 Seiten | insgesamt 82,00 €

Ein ganz normaler Sonntag, super detailliert erzählt: Der hoffnungslos vermurkste Grafiker Thibault verdaddelt den Tag mit Allmachtsfantasien, schlechtem Essen und tausend Peinlichkeiten, seine Freundin ist in einer afrikanischen Stadt auf dem Weg zum Flughafen, sein Nachbar hockt in der Kneipe, sein Cousin besorgt für ihn ein Geburtstagsgeschenk, eine Ratte kämpft ums Überleben. Nichts passiert — auf rund 450 Seiten. Spektakulär unspektakulär, leicht psychedelisch, unglaublich lustig, extrem abwegig, absolut einmalig. Und ein interessantes Geschäftsmodell: Der kleine Berliner Verlag Colorama veröffentlicht die Graphic Novel für den internationalen Markt als Heftserie auf Englisch.


Platz 2:
Zwei bleiben

Text: Jordan Crane
Zeichnungen: Jordan Crane
Suhrkamp | HC | Farbe | 320 Seiten | 26,00 €

Der Nachmittag eines leicht paranoiden Paares: Sie geht einkaufen und kommt Stunden nicht zurück, woraufhin er sie panisch zu suchen beginnt. Als sie endlich nach Hause kommt und niemand da ist, wird auch sie nervös. Es gibt einen kleinen Unfall, die beiden erkennen ihre Liebe füreinander, dann ist Schluss. Rund 300 Seiten, entstanden in 20 Jahren Arbeit. Ein Meisterwerk des verschachtelten Erzählens, wie es nur im Comic möglich ist. Und der Beweis: Es braucht nicht viel Handlung, um sehr viel zu sagen.


Platz 3:
Heroes

Text: Inio Asano
Zeichnungen: Inio Asano
Tokyopop | SC | Farbe | 182 Seiten | 16,00 €

Eine Gruppe Helden kämpft in einem verwunschenen Wald gegen übermächtige Gegner, bis alle tot sind. Neue Helden erledigen den Job, ein nackter Ritter findet seine große Liebe, am Ende ist ein Hase verärgert. Viele Tote, aber keine Kampfszenen, viele Gespräche, aber keine Ergebnisse, viel Optimismus, der regelmäßig enttäuscht wird. Das bizarrste Buch des Jahres, völlig unerklärlich, gegen jede Regel. Aber so lustig!


Peter Nover

Platz 1:
Terror Island

Text: Alexis Nesme
Zeichnungen: Alexis Nesme
Egmont | HC | Farbe | 56 Seiten | 29,00 €

Nicht nur auf den Ölsanden Kanadas gibt es Ducks. In diesem von James Cruzes gleichnamigem Film aus dem Jahr 1920 inspirierten Abenteuer verschlägt es Micky Maus, Goofy und den leicht schreckhaften Donald auf eine geheimnisvolle Insel nahe der afrikanischen Küste. Dort suchen sie nach einem vermissten Archäologen, der seinerseits nach einem sagenhaften Schatz suchte, und treffen auf Mickys Nemesis Kater Karlo sowie einen furchteinflößenden Riesengorilla. Die mit Filmzitaten gespickte Handlung erheitert durch herrlich alberne Gags, das spektakuläre Artwork von Alexis Nesme ist einmal mehr eine absolute Augenweide.


Platz 2:
Selenie

Text: Fabrice Lebeault
Zeichnungen: Fabrice Lebeault
Splitter | HC | Farbe | 72 Seiten | 18,00 €

Der Schöpfer von Horologiom entführt den Leser auf die dunkle Seite des Mondes, wo eine Gruppe von Menschen nach der Verwüstung der Erde lebt. Doch nicht alles auf dem Erdtrabanten ist so, wie es scheint. Nach dem Absturz eines irdischen Raumschiffs begibt sich Selenie in die unerforschten Zonen und kommt einem schrecklichen Geheimnis auf die Spur. Fabrice Lebeault gelingt das Kunststück, seine temporeiche Story mit einem poetischen Grundton zu durchwirken. Ein in mehrfacher Hinsicht fantastisches Abenteuer.


Platz 3:
Harry Dickson Band 1: »Mysteras«

Text: Doug Headline/Luana Vergari
Zeichnungen: Onofrio Catacchico
Schreiber & Leser | HC | Farbe | 64 Seiten | 17,95 €

Atmosphärisch dichte Comicadaption eines Romans von Jean Ray mit dem in London lebenden »amerikanischen Sherlock Holmes« und seinem Adlatus Tom Will. Die wendungsreiche, mit Elementen des Schauerromans gewürzte Geschichte bietet feinste Krimikost und sorgt für ein Lesevergnügen mit dem Prädikat »very british«.


Tyll Peters

Platz 1:
Blake und Mortimer Band 26: »Acht Stunden in Berlin«

Text: José-Louis Bocquet, Jean-Luc Fromental
Zeichnungen: Antoine Aubin
Carlsen | SC | Farbe | 64 Seiten | 12,00 €

Blake & Mortimer ist nicht mehr wie in den Tagen E. P. Jacobs’ eine aktuelle Serie auf der Höhe der Zeit, sondern eine historische Reihe. Der Verlauf der Geschichte ist bekannt, die Frage ist nur: Inwiefern waren die Helden daran beteiligt? Wir schreiben das Jahr 1963, Blake begibt sich auf eine illegale Spionageaktion nach Ostberlin. Derweil verschlägt es Mortimer in den tiefsten Ural, wo er schreckliche Dinge entdeckt. Wie es mal wieder so kommen muss, sind die beiden der gleichen Verschwörung auf der Spur. Die neuen Autoren Jean-Luc Fromental und José-Louis Bocquet schaffen einen rasanten Spionagethriller, der wie in den goldenen Zeiten der Serie eine gesunde Menge absurder Science Fiction zu bieten hat. Die Zeichnungen von Antoine Aubin sind stilistisch perfekt und erwecken die Schauplätze hinter dem Eisernen Vorhang zum Leben.

Platz 2:
Spirou und Fantasio Band 54: »Der Tod von Spirou«

Text: Sophie Guerrive, Benjamin Abitan
Zeichnungen: Olivier Schwartz
Carlsen | HC | Farbe | 64 Seiten | 12,00 €

Nach knapp acht Jahren Pause sind Spirou und Fantasio zurück, mit einer Geschichte, die Altbekanntes mit völlig Neuem verbindet. Die Zeichnungen von Olivier Schwartz stehen ganz in der Tradition von Meistern der École Marcinelle wie Yves Chaland und natürlich André Franquin und holen langlebige Leser der traditionsreichen Serie sofort ab. Die neuen Autoren Sophie Guerrive und Benjamin Abitan liefern eine topaktuelle Geschichte über die großen Themen unserer Zeit – Umweltverschmutzung, virtuelle Realität, Influencerinnen-Propaganda (sic!). Wegen der klassisch wirkenden Zeichnungen überrascht es zunächst, dass Spirou und Fantasio plötzlich Smartphones benutzen, aber hier offenbart sich die Zukunft der Serie: Topaktuelle Storys mit nostalgischen Zeichnungen. Ich bin sehr optimistisch für die kommenden Alben!


Platz 3:
Asterix Band 40: »Die weiße Iris«

Text: Fabcaro
Zeichnungen: Didier Conrad
Egmont | HC/SC | Farbe | 48 Seiten | 13,50 €/7,99 €

»Den besten Comic seit vier Jahrzehnten« versprach die Spiegel-Eilmeldung und vielleicht hat sie da sogar recht. Die Wahrheit ist, ich kaufe mir alle zwei Jahre den neuen Band, lese ihn einmal und lasse ihn dann für immer im Regal verschwinden. Wahrscheinlich ist »Die weiße Iris« sogar voll in Ordnung. Immerhin sind alle Elemente eines guten Asterix vorhanden. Ein neuer Plan der Römer, die Einheit im Dorf zu zerstören, Prügeleien, eine Entführung, gekonnt verbaute Anspielungen. Doch irgendwie habe ich das alles schon mal gesehen. Jede Szene wirkt nur wie eine Neuinterpretation von etwas, was schon da gewesen ist, in viel besserer Form. Kommerziell scheint es zu funktionieren, alle zwei Jahre die bekannte Formel neu zu verwursteln, und dem Feuilleton scheint es auch zu gefallen. Ich lese Asterix aber nur noch in der Hoffnung, irgendwann mal wieder das gleiche Gefühl bei der Lektüre zu empfinden, das ich als Kind stets hatte. In die Top 3 hat das Album es nur geschafft, weil ich nichts anderes gelesen habe, was dieses Jahr erschienen ist … Pardon!


Gregor Ries

Platz 1:
Ducks

Text: Kate Beaton
Zeichnungen: Kate Beaton
Reprodukt / Zwerchfell | HC | Zweifarbig | 448 Seiten | 39,00 €

Für ihre autobiografische Graphic Novel wechselte die kanadische Zeichnerin Kate Beaton vom cartoonhaften Stil ihrer feministischen Webcomics zu einer halbrealistischen Grafik. Der tagebuchartig aufgebaute Band stellt Fragen zu Klassenzugehörigkeit, Kapitalismus, Umweltzerstörung und besonders zu Geschlechterrollen in einem Fracking-Unternehmen, wo die Rechte von Frauen nichts gelten. Ein vielschichtiger Band, der betroffen macht und weitgehend ohne den vertrauten Humor auskommen muss.

Platz 2:
Napthalin

Text: Sole Otero
Zeichnungen: Sole Otero
Reprodukt | SC | Farbe | 336 Seiten | 29,00 €

Noch einmal eine autobiografisch angehauchte feministische Geschichte, noch einmal Reprodukt, dieses Mal mit einem stringenten Farbkonzept und auf zwei Zeitebenen angelegt. Sole Otero zeichnet ein Leben in Einsamkeit und Verbitterung nach. Neben der Geschichte der Großmutter entwirft die inzwischen in Frankreich lebende Künstlerin das Bild einer noch antriebslosen jungen Frau, die ihren Weg – in einem vom Geist der Oma heimgesuchten Haus – noch finden muss. Oft zeigt Otero ihr Haus im Querschnitt, um meisterhaft mehrere Aktionen zu verknüpfen. Ein grafisch einfach gehaltener, aber umso tiefgründiger Einblick in weibliche Unterdrückung und gesellschaftliche Fesseln, verbunden mit einer Chronik Argentiniens über Jahrzehnte hinweg.


Platz 3:
Spirou und Fantasio Spezial Band 40: »Tulpen aus Istanbul«

Texte: Hanco Kolk
Zeichnungen: Hanco Kolk
Carlsen | SC | Farbe | 64 Seiten | 12,00 €

Dass hier Spirou auf dem Cover steht, sollte man schnell wieder vergessen, da der Band aus der bunten Spielwiese wenig mit dem vertrauten Kosmos zu tun hat. Hanco Kolks wilde, parodistische Slapstickjagd enthält vielmehr zahlreiche Seitenhiebe auf die Agentenwelle der Sechziger voller Superspione, Autos mit explosiven Gadgets, grundlos verliebter Damen und eine Konfrontation mit dem real gewordenen Eisernen Vorhang. Das Album im Cartoonstil gehört zu den Highlights der Reihe.


Jan Roidner

Platz 1:
Deep Me

Text: Marc-Antoine Mathieu
Zeichnungen: Marc-Antoine Mathieu
Reprodukt | HC | s/w | 120 Seiten | 24,00 €

Seit über dreißig Jahren lotet Marc-Antoine die Möglichkeiten und Grenzen des Comics in grafischer, erzählerischer und medialer Hinsicht radikal aus und bringt uns damit immer wieder aufs Neue zum Staunen. Seit Edgar Allan Poes Short Story The Premature Burial ist der klaustrophobe Horror des Locked-in-Syndroms nicht mehr so brillant eingefangen worden.

Platz 2:
Ducks

Text: Kate Beaton
Zeichnungen: Kate Beaton
Reprodukt / Zwerchfell | HC | Zweifarbig | 448 Seiten | 39,00 €

Atemberaubender autobiografischer Erfahrungsbericht der Kanadierin Kate Beaton über ihre Zeit in den Ölsanden Albertas, wo sie lange Zeit in einem Fracking-Camp arbeitete, um ihr Studentendarlehen zurückzuzahlen. Mit großartigen Schwarzweißzeichnungen erzählt sie ein Lehrstück über unseren schonungslosen Umgang mit der Natur, der fatal auch für uns selbst ist. 


Platz 3:
Sheets

Text: Brenna Thummler
Zeichnungen: Brenna Thummler
Cross Cult | SC | Farbe | 240 Seiten | 25,00 €

Geniale Heimsuchung! Schaurig-schön und einfühlsam erzählte Buddy-Geschichte über die 13-jährige Halbwaise Marjorie und den jungen Geist Wendell: ein Coming-of-Age voller Teenagersorgen und Intrigen im Neuenglandkaff Finster Bay. Die Familienwäscherei verwandelt sich nachts in den perfekten Geisterspielplatz. Seit Frank O. Kings Gasoline Alley sind die Farben des Indian Summer nicht mehr so kraftvoll koloriert worden. In Delicates fortgesetzt freue ich mich jetzt schon auf den dritten Teil Lights. Mein Geheimtipp des Jahres!


Sabine Scholz

Sabine konzentriert sich in ihren Top 3 auf die lange Zeit vernachlässigten Sport-Manga, denen im vergangenen Jahr von den Verlagen vermehrt Aufmerksamkeit geschenkt wurde.

Platz 1:
Slam Dunk

Text: Takehiko Inoue
Zeichnungen: Takehiko Inoue
Hayabusa | SC | s/w | Band 1: 304 Seiten | 8,00 €

Endlich erfährt der Basketballklassiker eine Neuauflage bei Hayabusa und diesmal hoffentlich in voller Länge, nachdem er Anfang der 2000er-Jahre wegen schlechter Verkaufszahlen bei Planet Manga eingestellt wurde. Die 31-bändige Coming-of-Age-Reihe von Vagabond-Zeichentalent Takehiko Inoue über Rüpel Sakuragi Hanamichi, der im Basketballteam seiner Schule lernt, dass Kraft und Kampfgeist auch abseits von Prügeleien eingesetzt werden können, wurde kürzlich in ein mitreißendes Anime-Filmdrama adaptiert.


Platz 2:
Dance Dance Danseur

Text: George Asakura
Zeichnungen: George Asakura
Tokyopop | SC | s/w | Band 1: 428 Seiten | 15,00 €

Die emotionale und vielschichtige Geschichte um den jungen Tänzer Junpei, der als Teenager seine Leidenschaft für den Tanzsport wiederentdeckt und gegen jede Vernunft eine Karriere als Ballettprofi anstrebt, ist gleichermaßen ein Coming-of-Age- wie auch ein Slice-of-Life-Drama. Für das dichte Artwork kombiniert George Asakura eine aktuelle, edgy Manga-Bildsprache mit filigranen, lebendigen Zeichnungen, die an stilprägende Shojo-Klassiker wie die der berühmten Gruppe der 24er erinnern.


Platz 3:
Medalist

Text: Tsurumaikada
Zeichnungen: Tsurumaikada
Crunchyroll | SC | s/w | Band 1: 230 Seiten | 8,50 €

Japan gehört zu den Ländern, die im Hochleistungssport Eiskunstlauf regelmäßig die Siegertreppchen belegen. Den harten Weg dorthin zeichnet Tsurumaikada in ihrem Werk nach. Niemand traut der schüchternen Protagonistin, der Fünftklässlerin Inori, zu, den Schneid zu haben, sich bis an die Spitze kämpfen zu können, bis sie auf den ehemaligen Profi Tsukasa trifft, der sich in ihr wiederfindet und ihr Trainer wird. Hervorragendes Artwork, viel Hintergrundwissen und exzentrische Rivalinnen zeichnen dieses etwas vorhersehbare Coming-of-Age-Drama aus.

 


Falk Straub

Platz 1:
Von Mäusen und Menschen

Text: John Steinbeck, Rébecca Dautremer
Zeichnungen: Rébecca Dautremer
Splitter | HC | Farbe | 424 Seiten |  49,80 €

Ein Werk der Weltliteratur als Weltklasse-Comic, das ist Rébecca Dautremers Steinbeck-Adaption. Von der ersten bis zur letzten Seite ein Kunstwerk!


Platz 2:
Roaming – Fünf Tage in New York

Text: Mariko Tamaki
Zeichnungen: Jillian Tamaki
Splitter | SC | Zweifarbig | 448 Seiten | 29,00 €

Die kanadischen Cousinen Mariko und Jillian Tamaki sind eine Klasse für sich. Ihr neuester Geniestreich nimmt uns mit auf einen fünftägigen New-York-Trip im Jahr 2009, bei dem die Gefühle überkochen und Freundschaften auf die Probe gestellt werden. Selten fühlte sich der Big Apple so abwechslungsreich und authentisch an.

Platz 3:
Tage des Sandes

Text: Aimée de Jongh
Zeichnungen: Aimée de Jongh
Splitter | HC | Farbe | 288 Seiten | 39,80 €

Noch einmal die USA zur Zeit der Great Depression, diesmal durch das Objektiv eines Fotografen, der das Elend der dürregeplagten Dust Bowl der Great Plains im Auftrag einer Zeitung mit seinem Arbeitsgerät festhält. Auf wahren Begebenheiten aufbauend, erzählt die Niederländerin Aimée de Jongh eine ebenso simple wie tragische Geschichte über Nächstenliebe inmitten menschengemachter Verwüstungen.


Stefan Svik

Platz 1:
Batman und der Joker: Das tödliche Duo Bd. 1 – 3

Text: Marc Silvestri
Zeichnungen: Marc Silvestri
Panini | HC | Farbe | je 68 Seiten | je 18,00 € (Bd. 1 u. 2), 22,00 € (Bd. 3)

 

Platz 2:
I'm Still Alive

Text: Roberto Saviano
Zeichnungen: Asaf Hanuka
Cross Cult | HC | Farbe | 144 Seiten | 30,00 €

 

Platz 3:
Teenage Mutant Ninja Turtles: The Last Ronin

Text: Kevin Eastman, Peter Laird, Tom Waltz
Zeichnungen: Esau Escorza, Ben Bishop, Isaac Escorza, Kevin Eastman
Splitter | HC | Farbe | 224 Seiten | 35,00 €

 


Walter Truck

Platz 1:
1000 Stürme

Story: Tony Sandoval
Zeichnungen: Tony Sandoval
Cross Cult | Hardcover | 144 Seiten| Farbe | 25,00 €

Lisa ist ein einsames Mädchen, die von manchen Kindern ausgegrenzt und bisweilen sogar für eine Hexe gehalten wird. Als sie einen Zugang zu einer Parallelwelt entdeckt und auf Dämonen trifft, gilt es die Welt zu retten. Aber findet das alles so statt oder ist das nur Einbildung? Klasse Story, die als Fantasy verstanden werden kann, sich aber auch als äußerst fantasiereich ausgeschmückte Jugenderinnerung lesen lässt.


Platz 2:
Sheets

Text: Brenna Thummler
Zeichnungen: Brenna Thummler
Cross Cult | SC | Farbe | 240 Seiten | 25,00 €

Die 13-jährige Marjorie trifft in ihrem Familienbetrieb, einem Waschsalon, den jungen, putzigen Geist Wendell. Die beiden verbindet einiges und so bahnt sich eine Freundschaft an. Darüber hinaus wird Marjorie aber mit privaten und Alltagsproblemen konfrontiert, sodass die Tage oft frustrierend sind. Brenna Thummler schickt ihre Heldin jedoch auf eine ereignisreiche Reise, die den Leser hoffen lässt, dass es ihr recht bald gelingt, wieder das Leben einer normalen Jugendlichen zu führen.


Platz 3:
Der Weltraumpostbote Band 3: »Hungrig durchs Weltall«

Story: Guillaume Perreault
Zeichnungen: Guillaume Perreault
Rotopol | HC | 160 Seiten | Farbe | 18,00 €

Für Bob gehören Raketentechnik und ein besiedelter Weltraum zum Alltag. Als Postbote hat er jede Menge zu tun und fliegt Tag für Tag zu den Sternen, um Sendungen aller Art zuzustellen. Dabei begegnet er vielen Leuten, die alles andere als »normal« aussehen und ihn hin und wieder doch ängstigen. Die humorvollen Abenteuer um den sympathischen Zusteller gehen damit in die dritte Runde und bringen einen mühelos zum Schmunzeln.


Neben den 20 besten Comics des Jahres hat die ALFONZ-Redaktion zudem auf die wichtigsten Manga und Gesamtausgaben des abgelaufenen Jahres geblickt. An dieser Stelle folgen jeweils zehn Manga und Gesamtausgaben, die man im Auge haben sollte:


Die besten Comics eines Jahrgangs spielen natürlich schon während des Jahres eine Rolle. Auch 2023 haben sich unsere Autorinnen und Autoren vielen der hier vorgestellten Favoriten auf die eine oder andere Weise gewidmet. Hier ein Überblick in alphabetischer Reihenfolge:

  • 1000 Stürme: Falk Straub porträtiert den mexikanischen 1000-Stürme-Macher Tony Sandoval in ALFONZ 2/2023.
  • 1629: Ein Porträt von Szenarist Xavier Dorison samt Vorstellung des ersten von zwei Bänden findet ihr in ALFONZ 3/2023.
  • Asterix: Christoph Haas bespricht den 40. Band des Klassikers in ALFONZ 1/2024, Bernd Hinrichs auf CRON in Frisch Gelesen Folge 367.
  • Batman & der Joker: Den Auftaktband des »Tödlichen Duos« bespricht Stefan Svik in ALFONZ 4/2023.
  • Beta ...civilisations Band 2: Peter Lau hat für Jens Harders Mammutprojekt nur lobende Worte übrig in Frisch Gelesen Folge 319.
  • Blake und Mortimer: Zum nunmehr 26. Abenteuer »Acht Stunden in Berlin« hat Christian Blees einen Artikel in ALFONZ 2/2023 geschrieben.
  • Das Buchmaultier von Córdoba: Bernhard Erdmann rezensiert den Comic in ALFONZ 2/2023.
  • Dai Dark (Manga): Die letzte Verrücktheit von Q-Hayashida hat Björn Bischoff in Frisch Gelesen Folge 343 unter die Lupe genommen.
  • Deep Me: Ein Top-Titel oder doch eher ein Flop? Alex Jakubowski und Bernd Hinrichs lieferten sich in ALFONZ 4/2023 eine Obligatorische Kampfszene.
  • Ducks: Mechthild Wiesner bespricht die von Barack Obama empfohlene Graphic Novel in ALFONZ 4/2023 und in Frisch Gelesen Folge 351.
  • Genossin Kuckuck: Ole Frahms Porträt von Anke Feuchtenberger und Peter Laus Rezension ihres Opus magnum stehen in ALFONZ 1/2024.
  • Gilles der Gauner (GA): Eine Rezension steht in ALFONZ 3/2023; zudem kommt Hanco Kolk in Volker Hamanns Niederlande-Artikel in ALFONZ 2/2023 vor.
  • Harrow County (GA): Björn Bischoff stellt den Horrorcomic in einem Artikel in ALFONZ 4/2023 vor.
  • Harry Dickson: Den Auftaktband dieser Krimi-Reihe rezensiert Gregor Ries in ALFONZ 1/2024.
  • Ich bleibe: Thorsten Hanisch rezensiert den Comic in ALFONZ 2/2023.
  • The Many Deaths of Laila Starr: Eine Rezension von Björn Bischoff gibt es in Frisch Gelesen Folge 365.
  • Micky Maus: Den Hommage-Band Terror Island hat Bernd Hinrichs in Frisch Gelesen Folge 357 besprochen.
  • Neon Genesis Evangelion (Manga): In ALFONZ 1/2023 dringt Björn Bischoff tief ins Universum von Robotern und Engeln vor.
  • Die neuen Russen: Ole Frahm rezensiert Pierre-Henry Gomonts Comic in ALFONZ 3/2023.
  • Die Rache der Bücher: Björn Bischoff wagt sich in Frisch Gelesen Folge 334 in Tom Gaulds absurde Welt.
  • Der Ring des Nibelungen: Stephan Schunck bespricht P. Craig Russells Wagner-Adaption in Frisch Gelesen Folge 336.
  • Selenie: Peter Osteried bespricht den Comic in ALFONZ 1/2023.
  • Sheets: Walter Truck hat den ersten Band von Brenna Thummlers Trilogie in Frisch Gelesen Folge 338 rezensiert.
  • Shunas Reise (Manga): Simone Bauer stellt den Titel im Zuge ihres Miyazaki-Porträts in ALFONZ 4/2023 vor, Mechthild Wiesner in Frisch Gelesen Folge 370.
  • Snapdragon: Falk Straub bespricht Kat Leyhs Comic in ALFONZ 1/2024.
  • Stockhausen: Gerrit Lungershausen rezensiert den Comic in ALFONZ 1/2023.
  • Swamp Thing: Vermächtnis des Grüns (Gesamtausgabe): Matthias Hofmann hat den Swamp-Thing-Zeichner Mike Perkins in ALFONZ 1/2024 interviewt.
  • Die Synagoge: Peter Lau bespricht Joann Sfars autobiografische Graphic Novel in ALFONZ 1/2024.
  • Tage des Sandes: Szenaristin und Zeichnerin Aimée de Jongh ist Teil von Volker Hamanns Niederlande-Artikel in ALFONZ 2/2023.
  • Von Mäusen und Menschen: Eine Rezension von Peter Lau gibt es in Frisch Gelesen Folge 331.
  • Der Weltraumpostbote: Walter Truck hat sich den dritten Band des umtriebigen Briefzustellers in Frisch Gelesen Folge 356 angesehen.
  • Zwei bleiben: Markus Fix bespricht den Comic in ALFONZ 1/2023.

© der Abbildungen bei den Verlagen und Autoren, Fotos © Edition Alfons